Interview mit Frau Prof. Dr. Ellen Aschermann von der Uni Köln

zu ihren Testergebnissen aus dem Schuljahr 2015 an der OSK.

Frau Prof. Dr. Aschermann,

Sie sind Professorin und Leiterin der  Abteilung Pädagogische Psychologie an der Universität zu Köln.

Können Sie uns kurz erklären, warum es eine Kooperation unserer Schule mit Ihrem Lehrstuhl gibt und was genau Sie jedes Jahr seit Schulgründung testen?

Wir beschäftigen uns schon seit vielen Jahren mit neuen Lernmodellen und wie Schülerinnen und Schüler (SuS) am besten selbstbestimmt lernen können. Von da war es nur ein kleiner Schritt auch die Offene Schule Köln mit ihrem Konzept des selbständigen und selbstverantwortlichen Lernens wissenschaftlich zu begleiten.

Seit der Schulgründung der OSK im Jahr 2012 erheben wir daher einmal im Jahr den Lernstand aller SuS mit sogenannten „standardisierten Schultests“ in den Fächern Mathematik und Deutsch. Die Testergebnisse ermöglichen es für jedes Kind festzustellen, dass der Lernfortschritt altersangemessen stattfindet. Und die Lehrkräfte können bei Bedarf sofort individuell nachbessern und dem Kind Unterstützung geben.

Für Schüler, Lehrer und die Bezirksregierung ist die Rückmeldung wichtig, um zu erfahren, dass die OSK auch tatsächlich ein erfolgreicher Lernort ist, obwohl Klassenarbeiten und Lernen im Gleichschritt hier nicht mehr stattfinden.   

Die Testergebnisse in den Fächern Mathematik und Lesen und Schreiben aus dem Schuljahr 2014/15 liegen nun vor.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

In Mathematik liegen die Leistungen der Lernenden  auf einem mittleren Niveau, also in etwa da, wo wir es auch bei einer Gesamtschule erwarten würden. Auch die Unterschiede zwischen den Kindern waren nicht zu groß.

In Lesen und auch im Rechtschreiben sind die Kompetenzen aller SuS ebenfalls im durchschnittlichen Bereich. Dieser durchschnittliche Bereich umfasst etwa 2/3 der Werte aller Lernenden in Deutschland und dieser Befund ist sehr erfreulich für die OSK.

Sie haben diese Tests jetzt zum 3. Mal an der OSK durchgeführt.

Lässt sich über die drei Jahre hinweg bereits eine Tendenz ablesen?

Beim Lesen fanden wir, dass sich die Leistungen über die drei Messzeitpunkte hinweg signifikant verbessert haben. Im Jahr 2013 lag die Leseleistung noch im unterdurchschnittlichen Bereich, wohingegen sie sich 2015 im durchschnittlichen Bereich befindet. Lesen wird in der Bildungsforschung immer mehr als das Tor zum selbständigen Lernen und Verstehen in allen Bereichen gewertet, so dass dies ein wichtiger Erfolg für die schulische Arbeit der OSK ist.

Die Ergebnisse in Rechtschreiben und auch in Mathematik lassen zudem erkennen, dass sich die Leistungen der Lernenden an der OSK ebenfalls konstant entwickelt haben. Wir hoffen, dass die SuS in den kommenden Jahren auch in diesen Bereichen ihre Leistungen weiter steigern können. Lesen kann hier als der Vorreiter des Lernprozesses gesehen werden.

Die Befunde verdeutlichen, dass die SuS an der OSK gemäß ihren individuellen Voraussetzungen gefördert werden und dass Lernende ohne und mit Sonderpädagogischem Förderbedarf (die zielgleich unterrichtet werden) leistungsmäßig von dem inklusiven Schulkonzept profitieren.

Ein wichtiger Leitgedanke an unserer Schule ist die Inklusion und das soziale Miteinander.

Sie haben daher alle SuS zusätzlich 2015 auch zum Thema Klassenklima und zu ihrer Sellbstregulation befragt. Wie gestalten sich hier die Ergebnisse und warum sind diese Themen Ihrer Erfahrung nach für eine Schule wichtig?

Schule ist viel mehr als nur Kompetenzerwerb, sie ist ein Lebensraum, in dem die SuS „Gesellschaft im Kleinen“ kennen und gestalten lernen. Deshalb ist auch für uns der Bereich „Klassenklima“ besonders wichtig.

Ein positives Klassenklima ist dadurch gekennzeichnet, dass die psychologischen Grundbedürfnisse nach Selbstbestimmung, Kompetenz, Zusammengehörigkeit und Sicherheit erfüllt werden. Das Klassenklima wurde in allen Klassen als mindestens durchschnittlich, von vielen Lernenden auch als überdurchschnittlich oder sogar weit überdurchschnittlich  eingeschätzt. Die SuS fühlen sich in ihren Lerngruppen und auch in der Schule wohl und können dort gut arbeiten. Hier wird deutlich, dass eine positive Lernatmosphäre nicht nur im Hinblick auf das Wohlbefinden, sondern auch für die Entfaltung der schulischen Leistungen wichtig ist.

Trifft das auch auf die SuS mit Sonderpädagogischem Förderbedarf zu?

Ein wichtiger Punkt beim Thema Klassenklima war uns, ob sich Lernende mit Sonderpädagogischen Förderbedarf (SPF) in die Lerngruppen einfügen und ob sie sich gut integriert fühlen.  Interessanterweise fanden  sich hier keine Unterschiede bei Kindern mit oder ohne SPF in ihrer Bewertung.

Man kann daher festhalten, dass die inklusionspädagogische Zielsetzung an der OSK erfolgreich umgesetzt wird. An der OSK gelingt es aus Schülersicht sehr gut, Lernende mit und ohne SPF erfolgreich zu integrieren und ein positives und unterstützendes Lernklima zu gestalten.

Zu welchen weiteren Ergebnissen kommen Sie in der Studie?

Wir haben 2015 sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch ihre Eltern gebeten, die Selbstregualtionsfähigkeit einzuschätzen. Die individuellen Selbstregulationsfähigkeiten eines Lernenden bestimmen, in wie weit Lernprozesse eingeleitet und aufrechterhalten werden können und nehmen so auch Einfluss auf die Lernleistungen.

Grundsätzlich liegen die Einschätzungen von Schülern und Eltern dabei recht dicht beieinander. Schülerinnen und Schüler mit höheren Kompetenzen in Mathematik und Deutsch schätzen auch ihre Selbstregulationsfähigkeit tendenziell höher ein.

Aus diesen Ergebnissen lässt sich schließen, dass die Förderung von fachlichen Kompetenzen und vom selbstständigen Arbeiten Hand in Hand gehen und  ressourcenorientierte Förderkonzepte weiter eine wichtige Rolle in der schulischen Arbeit spielen sollten.

Als Inhaberin Ihres Lehrstuhls haben Sie einen großen Überblick über die deutsche Schullandschaft. Was würden Sie sagen, ist das Besondere an unserer Schule?

Die OSK hat sich auf den Weg gemacht, das Lernen als tägliche Arbeit in den Mittelpunkt zu stellen und damit die Auseinandersetzung mit den Inhalten. Das ist mittel- und langfristig für die kognitive, soziale und emotionale Entwicklung der Schülerinnen und Schüler vermutlich wichtiger als Zeugnisse und Klausuren in vorgeschriebenen Taktungen und Lernen im Gleichschritt. Dazu gehört Mut und Durchhaltevermögen, weil sich solche Erfolge nicht schnell nachweisen lassen. Und beides sehe ich in der OSK.

Wo sind wir auf dem richtigen Weg und wo müssen wir noch nachbessern?

Behalten Sie den guten Kontakt zwischen Kollegium, Eltern und Schülern bei und bleiben Sie auch Weiterhin im Gespräch, auch wenn manches nicht oder nicht gleich so gelingt, wie Sie es sich erhoffen. Lernen und Bildung sind ein jahrelanger Prozess und erfordert Geduld, Energie und Phantasie. Das wünsche ich allen an der OSK!

Liebe Frau Prof. Dr. Ellen Aschermann ich danke ihnen für das Gespräch.